Roboter mieten oder kaufen? Der ehrliche Vergleich
18.7.2026
Ein Serviceroboter fürs Firmenfest, ein Roboterhund fürs Forschungssemester, ein Servierroboter für die Wintersaison: Nicht immer ist Kaufen der richtige Weg. Dieser Vergleich zeigt die real existierenden Miet- und Leasingangebote in der Schweiz, rechnet mit den wenigen öffentlich belegten Zahlen und sagt ehrlich, wo Preise nur auf Anfrage erhältlich sind. Stand: 18. Juli 2026, aktualisiert am 14. August 2026.
Nachtrag vom 14.08.2026, und er korrigiert diesen Artikel: Bei einer erneuten Erhebung aller Schweizer Vermieter haben wir einen Anbieter gefunden, der seine Mietpreise öffentlich nennt. Die Aussage weiter unten, es gebe praktisch keine öffentlichen Schweizer Mietpreise, stimmt so nicht mehr; sie stimmt für fünf von sechs Anbietern. Den vollständigen, laufend nachgeführten Überblick samt Mietinseraten führen wir seither unter Roboter mieten.
Zweiter Nachtrag vom 17.08.2026, und diesmal hat uns der Anbieter selbst korrigiert: Wir hatten Arabesque (Zürich) unten als Eventvermieterin geführt. Sylvia Stocker, Gründerin und CEO, hat uns dazu geschrieben, und ihr Einwand trifft: «Denn Robotermiete ist nicht gleich Robotermiete.» Arabesque arbeitet neben Kauf und Miete auch mit Robotics-as-a-Service, und der Kern des Angebots ist nicht die Geräteüberlassung, sondern die Umsetzung im Betrieb, also Beratung, Roadmap, technische Integration, Schulung, Workshops und Change Management. Auch bei Events gehört eine Fachperson dazu. Der Eintrag unten ist entsprechend berichtigt, und weil der Einwand über den Einzelfall hinausweist, steht darunter neu ein Abschnitt, der die vier Formen auseinanderhält.
Wer in der Schweiz vermietet oder verleast
- Sebotics (Horw LU), der Schweizer Pudu-Partner, vermietet Roboter für Events in der ganzen Schweiz inklusive Programmierung und Support und bietet für Servierroboter wie den BellaBot auch einen mehrmonatigen Testbetrieb an; bei einem späteren Kauf werden die Mietkosten angerechnet. Konkrete Preise nennt Sebotics erst nach Besprechung.
- OKMbot (Bissegg TG) setzt beim Vertrieb der Keenon-Roboter (etwa Dinerbot T10) ganz auf Leasing, ebenfalls ohne öffentliche Preisliste.
- Arabesque (Zürich) bietet Kauf, Miete und Robotics-as-a-Service an, für Events (unter anderem Pepper) ebenso wie für Automatisierungsprojekte in Unternehmen. Zum Angebot gehören nach Angabe der Firma Beratung, Roadmap, technische Integration, Schulung, Workshops und Change Management; bei Events ist eine Fachperson Teil der Leistung. Preise auf Anfrage (schriftliche Auskunft der Geschäftsführung, 17.8.2026).
- AGIBOT hat im März 2026 die europäische Mietplattform BotShare lanciert: humanoide Roboter ab EUR 899 pro Tag, ab einem Tag Mietdauer. Die Schweiz gehört bislang nicht zu den gelisteten Märkten.
- Roborent24 (Aurobots GmbH, Wetzikon ZH) vermietet den Serviceroboter uServe für Events und Messen und ist der einzige uns bekannte Schweizer Anbieter mit öffentlichen Preisen: Tagesmiete CHF 1'190, Abendpaket CHF 1'490, Messepaket bis fünf Tage CHF 2'990, laut Anbieter inklusive Lieferung, Installation, Einweisung, Support, Abholung und Reinigung (roborent24.ch, abgerufen 14.8.2026). Ergänzt am 14.08.2026.
Das ehrliche Fazit: Öffentliche Schweizer Mietpreise sind die Ausnahme. Von sieben erhobenen Anbietern nennt genau einer seine Tarife auf der Website, alle anderen rechnen nach Offerte ab. Wer vergleichen will, muss also weiterhin anfragen, hat mit den Roborent24-Paketen aber neu wenigstens einen Schweizer Ankerwert. Als zweiten Referenzrahmen lohnt der Blick auf die belegten Kaufpreise.
Miete, Mietkauf, Leasing, RaaS: vier Wörter, vier verschiedene Geschäfte
Die Wörter werden im Markt durcheinander verwendet, und «Miete» kann alles heissen von einem Eventtag bis zum Dreijahresvertrag. Statt am Namen entscheidest du besser an vier Fragen.
| Miete | Mietkauf | Leasing | Robotics-as-a-Service | |
|---|---|---|---|---|
| Wem gehört das Gerät am Ende? | dem Anbieter | dir, die Raten werden angerechnet | je nach Vertrag, oft Kaufoption | dem Anbieter |
| Wie lange läuft es typischerweise? | Tage bis Wochen | Monate bis Jahre | Jahre | Monate bis Jahre |
| Wer trägt Wartung und Ausfall? | der Anbieter | meist du ab Übergabe | vertragsabhängig | der Anbieter |
| Was steckt im Preis? | das Gerät, oft mit Lieferung und Betreuung | das Gerät | die Finanzierung | Gerät, Software, Wartung, Support, je nach Anbieter auch Schulung und Begleitung |
Der praktische Unterschied zwischen Miete und RaaS ist nicht der Vertragstyp, sondern der Gegenstand: Bei Miete bekommst du ein Gerät, bei RaaS einen Betrieb. Wer eine Reinigungsflotte über drei Jahre laufen lässt, kauft bei RaaS vor allem die Zusage, dass jemand anderes sich um Updates, Störungen und Ersatz kümmert. Wer einen Roboter für ein Firmenfest braucht, zahlt bei Miete für einen Abend und will genau das.
Was du in jedem Fall vor der Unterschrift klären solltest: Wird eine Miete an einen späteren Kauf angerechnet (Sebotics macht das bei Servierrobotern, GetDone arbeitet mit einer zweiwöchigen Testinstallation)? Was passiert bei einem Defekt mitten in der Laufzeit? Gibt es eine Mindestlaufzeit, und was kostet ein vorzeitiger Ausstieg? Und ist eine Fachperson dabei oder bedienst du selbst? Bei toneart ist Personal zwingend Teil des Angebots, bei anderen kostet es extra.
Ein Hinweis zur Ehrlichkeit dieser Tabelle: Sie beschreibt die üblichen Ausgestaltungen, nicht eine Rechtslage. Massgeblich ist immer der konkrete Vertrag, und Anbieter benennen dieselbe Sache verschieden. Frag nach den vier Zeilen oben, nicht nach dem Etikett.
Das Rechenbeispiel (mit belegten Zahlen)
Für den BellaBot existiert eine öffentliche Vergleichsbasis beim US-Händler RobotLAB: Kaufpreis USD 15'900, Miete ("Robot as a Service") ab USD 2'430 pro Monat. Damit lässt sich der Mechanismus sauber zeigen:
| Einsatzdauer | Miete (ab USD 2'430/Monat) | Kauf (USD 15'900) |
|---|---|---|
| 2 Monate | USD 4'860 | USD 15'900 |
| 6 Monate | USD 14'580 | USD 15'900 |
| 7 Monate | USD 17'010 | teurer als der Kauf |
| 24 Monate | USD 58'320 | USD 15'900 plus Unterhalt |
Nach gut einem halben Jahr Dauereinsatz hat die Miete in diesem Beispiel den Kaufpreis erreicht. Die Zahlen sind US-Listenwerte und nicht direkt auf die Schweiz übertragbar, aber die Grössenordnung ist typisch: Miete ist pro Monat teuer und kauft dir dafür Flexibilität, Service und ein geringes Risiko. Schweizer Offerten kannst du an diesem Raster spiegeln, und bei Anbietern wie Sebotics die Anrechnung der Miete an den Kauf gleich mitverhandeln.
Wann Mieten die richtige Wahl ist
- Events und kurze Einsätze: Für einen Messeauftritt oder ein Firmenfest ist Kaufen unsinnig; Eventvermieter liefern das Gerät programmiert und betreut.
- Testphase vor der Investition: Ein mehrmonatiger Mietbetrieb zeigt, ob ein Servierroboter in deinem Lokal wirklich funktioniert (Platzverhältnisse, Abläufe, Akzeptanz), bevor du fünfstellig investierst.
- Keine Lust auf Betriebsrisiko: Bei Miete und Leasing sind Support und meist auch Wartung Sache des Anbieters.
Wann Kaufen (oder Occasion) gewinnt
- Dauereinsatz: Läuft das Gerät ganzjährig, ist der Kauf nach dem Muster oben meist innert eines Jahres günstiger, erst recht über die Lebensdauer.
- Occasion als Abkürzung: Gebrauchte Geräte aus Betriebsschliessungen oder Projektenden drücken die Einstiegskosten nochmals deutlich; reale Angebote findest du in den Serviceroboter-Occasionen und Preisentwicklungen im Preisindex. Worauf du beim Gebrauchtkauf achten musst, steht in der Checkliste.
- Wiederverkaufswert: Ein gekauftes Gerät kannst du beim Ausstieg weiterverkaufen, ein kostenloses Inserat ist schnell erstellt. Gemietete Flexibilität verfällt.
Die Entscheidungsformel
Kurz gefasst: Unter etwa einem halben Jahr Einsatzdauer mieten, darüber kaufen, und vor dem Neukauf immer den Occasionsmarkt prüfen. Hol bei Schweizer Anbietern immer mehrere Offerten ein (die Preise sind Verhandlungssache), kläre bei Miete die Anrechnung an einen Kauf, und rechne bei Kaufofferten die Softwarefrage mit ein.
Quellen (abgerufen 18.7.2026): sebotics.com/eventvermietung und sebotics.com/shop/bellabot (Eventvermietung, Testbetrieb, Anrechnung, Preise auf Anfrage); okmbot.ch (Keenon-Leasing); arabesque.ch/services/event (Eventvermietung Zürich); humanoidsdaily.com und agibot.com zur BotShare-Lancierung am MWC 2026 (ab EUR 899/Tag, Schweiz nicht gelistet); robotlab.com (BellaBot USD 15'900 Kauf, RaaS ab USD 2'430/Monat).
Ergänzt am 17.8.2026: schriftliche Auskunft von Sylvia Stocker, Gründerin und CEO der Arabesque LLC, zu Angebotsformen und Leistungsumfang; unitedrobotics.group (Kauf oder Robot-as-a-Service mit Monatsrate, Testphase wird an einen späteren Kauf angerechnet, abgerufen 16.8.2026).
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